Die Nacht hatte ich versucht viel zu schlafen und wieder schnell gesund zu werden. Leider hat das aber bis zum morgen nicht wirklich gut geklappt. Ich denke, dass ich aber noch immer Schwierigkeiten mit der Zeitumstellung hatte. Diese Müdigkeit kam mitten am Tag und ging dann manchmal einfach wieder weg. Vom Rücken her ging es wieder einigermaßen.
An diesem Tag wollte ich nach Kyoto. Die Sitzplatzreservierungen hatte ich schon tags zuvor besorgt. Vorher wollte ich mir aber noch unbedingt Hid no sato anschauen. Ein Museumsdorf in dem alte Häuser und Lebensweisen aus dieser Region Japans gezeigt werden.
Nach Hida no sato gelangt man mit dem Bus vom Takayama no eki oder wie man das sonst so ausdrückt: Vom Bahnhof von Takayama. Der Bus war außer von mir nur noch mit zwei schweizer Familien besetzt. Komisch mal wieder ein wenig deutsche Sprache zu hören. Obwohl die letzten Gespräche mit dem Hamburger ja noch nicht so lang zurücklagen.
In Hida no sato angekommen ist man erst einmal überwältigt von der Landschaft, die man am fernen Horizont begutachten darf. Schnee bedeckte Berge hinter malerisch grüner Alpenlandschaft. Sehr schön. Im Dorf sellbst beschlich mich sofort wieder das Gefühl des Theaters. Hier standen zwar sehr schöne alte Häuser, aber wiederum war viel offensichtlich künstlich drum herum angelegt. Ich mag das überhaupt nicht, wennn man klar merkt, dass es nur ums Geld machen geht. Dennoch fand ich es sehr beeindruckend in die Häuse zu gehen und mir vorzustellen, wie die Menschen vor einigen hundert Jahren dort gelebt haben müssen. In den Häusern musste man sich die Schuhe ausziehen, was mir immer wieder eine Freude war. Denn mein Rücken meldete sich bei jeder Gelegenheit. Trotzdem nutze ich die Zeit die ich hatte voll aus und wählte sogar die längste Route durchs Dorf. Ja, die Japaner und ihre "bleiben-sie-auf-dem-Weg"-Masche. Ich musste allerdings feststellen, dass ich fast der einzige war, der sich streng daran hielt. Naja, es ist entspannter, wenn man nicht soviel nachdenken muss. ;o)
Nach einer Stunde und dreißig Minuten war dann das kurze Schauspiel für mich schon wieder vorbei. Denn ich musste dringend zum tempel zurück und dann zum Bahnhof um meinen zug zu kriegen.
Die Zugfahrt nach Nagoya war wieder atemberaubend. Die Landschaft erinnert mich immer wieder an Norwegen wegen der bewegenden Landschaft wegen. Auf der Hinfahrt hieß es, ein Teil der Landschaft wird auch "Japanisches Rheintal" genannt, weil es angeblich ganauso aussehen soll wie die Landschaft am Rhein in Europa. Naja, am Ende der Welt kann man wohl jedem alles erzählen. Wer kann das schon überprüfen. ;o)
In Nagoya hatte ich 10 Minuten Aufenthalt. Keine Zeit also sich die Stadt anzuschauen, aber nach ein paar Städten merkt man irgendiwe eh keine großen Unterschied zwischen japanischen Städten. zumindest auf den ersten Blick. Was ich jedoch sehr bemerkenswert finde, ist, dass ich es ohne große Schwierigkeiten hin bekam den richtigen Bahnsteig zu finden. Hätte mein Rücken nicht geschmerzt oder hätte dort nicht mein Rucksack gesessen, wäre ich wohl in die Versuchung gekommen mir selbst auf die Schulter zu klopfen.
So und jetzt Kyoto. Ich mochte Kyoto nicht, soviell kann ich schon mal sagen. Kyoto ist unfreundlich und voll. Quasi voll unfreundlich. Man bekommt auch keine Unterkunft wenn man gegen 16 Uhr Nachmittags dort eintrifft. Ein Hotel kann man auch fast vergessen, weil niemand englisch spricht und wenn es zu kompliziert wird etwas zu erklären, dann schickt man die potentiellen Gäste zunächst einfach zu einem anderen Hotel und sagt dort sind noch Zimmer frei, schickt sie dann wieder in das gleiche Hotel zurück, weil ja da noch Zimmer frei sind und wenn man dann nicht mehr weiter weiß mit dem Gast, nachdem man gerade gesagt hat, dass man ein Zimmer in einem weiteren Hotel für besagten Gast reserviert hat, dann sagt man einfach man spräche kein englisch und außerdem wäre eh nirgendwo mehr irgendein Zimmer frei.
Zwischendurch bin ich mit meinem Rucksack durch halb Kyoto gelaufen und hab Ryokans, Youth Hostels und Guest Houses abgegrast und kein Zimmer bekommen. Als ich dann gegen 18 Uhr keinen Bock mehr hatte, bin ich einfach ins Grandvia Hotel am Bahnhof einmarschiert und hab mir einfach ein Zimmer geben lassen. Ich sag nicht wieviel ich für die zwei Nächte bezahle, aber es ist ein dramatischer Einschnitt in meine Reisekasse.
Den Rest des Abends habe ich mit Fernsehen und Lesen verbracht. Ab und zu die per Fernbedienung zu steuernden Gardinen und Vorhänge auf und zu gemacht und den Room Service genossen. Balsam auf meine geschundene Seele sag ich nur.
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