Leider habe ich die erste Nacht im Tempel nicht vollkommen unbeschadet überstanden und mir irgendwie den Rücken verkühlt. Das hat mich ganz schön umgehauen und ich wäre wohl den ganzen Tag im Bett geblieben, wenn das nicht bedeutet hätte weitere Zeit im sehr kühlen Tempelinneren zu verbringen.
Also hab ich mich mit übelsten Rückenschmerzen aus dem Haus geschmissen und bin gefühlt Japan einmal rauf und einmal runter gelaufen. In Wirklichkeit jedoch habe ich die sog. "Morning Markets" von Takayama besucht und bin auf dem Higashiyama "Walking Course" ein großes Stück am Rand von Takayama gelaufen. Das Wetter war herrlich. Die Temperaturen angenehm warm. Und ich allein auf weiter Flur mitten in den japanischen Alpen, ächszend und stöhnend. Die Wegstrecke ist eigentlich mit ca. 2 Stunden Laufen beschrieben, doch ich hab eigentlich fast den ganzen Tag damit zugebracht.
Auf dem Weg selbst ging es direkt durch Tempelanlagen, vorbei an gut und weniger gut gepflegten Gärten mit kleinen und riesengroßen Schreinen sowie kleinen und großen Gebetsglocken. Der Weg war etwas seltsam gestrickt, sodass ich mir manchmal etwas seltsam vorkam, wenn ich eine Treppe hinabstieg um dann 5 Meter weiter eine Treppe wieder hoch zu gehen. Aber das ist halt auch typisch japanisch. Es ist immer wichtig, dass man sich genau an die Route hält. Würde man das nicht machen, würde bei der Masse an Menschen die tagtäglich mit Bussen anlanden und wieder abtransportiert werden bald das Chaos ausbrechen. Außerdem kommt mann nur so an jeder kleinen "bitte-spenden"- und "bitte-Geld-für-Schnick-Schnack-ausgeben"-Möglichkeit vorbei. Ich habe noch kein Geld für sowas ausgegeben, dafür aber auch vermieden Fotos von betenden Menschen und Nahaufnahmen von Gebetsstätten zu machen.
Ziemlich zum Ende des Weges musste ich durch den Shiroyama Park. Der besteht hauptsächlich aus Wegen und Bäumen, die gefühlt nie gerade verlaufen. Wieder sehr schöne Tempelanlagen auf dem Weg und viele kleine Kinder einer indergartengruppe, die alle die gleichen Sachen anhatten. Blaue kleine Jacken mit knallgelben kleinen Hüten. Und das alles inmitten des Waldes, ein wunderbares Bild. Etwas seltsam war nur das Verhalten der Erzieherinnen, die die Kinder ständig die Richtung um 180° wechseln ließen, ohne dass der Weg an der jeweiligen Stelle ein Ende fand. Man muss sich das so vorstellen, dass eine lange Raupe mit kleinen blauen Füßen und knallgelbem Rücken den Berg hinauf klettert und mitten auf dem Weg umdreht, den Berg wieder runter huscht und dann wieder den Berg den gleichen Weg hinauf geht. Ich weiß zwar, dass Japan nicht viel Landfläche besitzt, aber dass die armen Kinder gleich so sehr darunter leiden müssen. Sehr schön war übrigens auch, wie sich eine Erzieherin, die immer am Wendepunkt der Schlange stand alle Kinder abgeklatscht hat.
Am Ende meines Weges fand ich dann eine Bank in einer Parkanlage, auf die ich mich einfach nur hinlegen musste und sofort eingeschlafen bin. ich weiß nicht wie lange ich geschlafen hab, aber ich war sehr hungrig, als ich wieder aufwachte. In diesem Moment habe ich mich dann endlich an japanisches Essen gewagt. Yakitori. Yakitori sind im Allgemeinen kleine Spieße, die mit allem Möglichen bestückt werden. In diesem Fall mit zartem Hünchenfleich. Dazu gabs nichts, aber das gehört so zu japanischen Mahlzeit. Heute (20.04.2009) habe ich mir im Hotel ein Hamburger Pork Steak bestellt und genau das bekommen. Oder nein, es war eine Boulette mit nichts.
Die Spieße jedenfalls waren sehr lecker.
Nach dem Essen habe ich noch ein japanische Sätze gebüffelt und dem Gastwirt auf japanisch vorgeschwärmt wie lecker das war und bin dann runter in die alte Stadt. Die alte Stadt zeichnet sich vor allen Dingen dadurch aus, dass die Häuser alle gleich (alt) aussehen und man sich überall den Kopf stößt. Ich mit meinem Rücken hatte so meine Probleme mich überall beim Eintreten runterzubeugen, aber ich habs gewagt und wunderschöne Porzellankreationen und Webkunst gesehen. Dann wollte ich eigentlich Sake kosten, es gab irgendetwas zum Kosten, aber es stellt sich als das ekelhafteste raus, das ich je in meinem Mund hatte. Miso oder Mizu. Ich hab versucht es rauszubekommen, aber ich bin mir nicht sicher was die tranich übersalzene Flüssigkeit gewesen ist. Den Sake hätte ich gern gekauft, aber dieser muss kühl gehalten werden und das schaffe ich leider nicht auf meiner Reise und besonders während dem Rückflug. Ich werde versuchen wenigstens einmal zu kosten.
Damit endet eigentlich dieser Tag, denn am Abend konnte ich dann wirklich nicht mehr. Ich hab mich in den tempel verkrochen und alle Heizstrahler angemacht, die im Zimmer zu finden waren. Im Nachhinein denke ich, dass das gut war und dass ich deshalb wieder relativ schnell fit geworden bin.
Montag, 20. April 2009
Tag 8 (17.04.2009) - Takayama
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