Hallo aus Takayama
Es ist schon wieder ein Tag vorüber von dieser großartigen Reise.
Ich befinde mich gerade liegend auf Tatami Matten, einem Futonbett darüber und das ganze innerhalb eines japanischen Tempels. Ich kann glaub ich heute Nacht nicht schlafen, so cool find ich das.
Aber ich versuch das mal chronologisch zu erzählen.
Vorgestern ist in Tokyo ein Hamburger aufgetaucht, der auch schon in Takayama gewesen ist und der hat mir von diesem Tempel erzählt. Gestern wollte ich eigentlich mit ihm durch Tokyo ziehen, aber Hamburger schlafen für gewöhnlich länger, wenn Sie die ganze Nacht mit Franzosen im Gemeinschaftsraum hocken und lachen und singen und was weiß ich nicht alles, weil ich ja geschlafen hab.
Also bin ich gestern allein in Ikebukuro und Shinjuku gewesen. Diese Stadt raubt einem einfach den Atem. Teils wegen der furchtbar stickigen Luft und zum Großteil einfach wegen der Größe und Vielfältigkeit der ganzen Stadt.
In Ikebukuro bin ich 240 Meter über Tokyo aus einem Fahrstuhl des Sunshine 60 Skyscrapers ausgestiegen und hab mir die Stadt endlich einmal von weiter oben anschauen können. Atemberaubend! Innerhalb der Sunshine City konnte man herrlich shoppen, was ich natürlich vermieden habe. Aber auch außerhalb des Gebäudekomplexes fanden sich viele DVD und Animate Shops sowie riesige Spielhallen und Book off Shops. Ich wollte ja eigentlich nicht shoppen, aber die Japaner haben eine regelrechte Shoppingkultur, die ich nicht verpassen wollte. Gekauft habe ich bis dato übrigens noch nichts und das ist in Tokyo furchtbar, furchtbar schwer. Ich bin stolz auf mich.
Danach gings wie gesagt nach Shinjuku. Bin aus dem Bahnhof gleich mal in den Red Light District gefallen. War aber nett. Mehr sag ich nicht. Die ganze Gegend wird ja gern als kleines Tokyo beschrieben, weil man hier wohl alles finden kann, was Tokyo ausmacht. Ich weiß nur, dass Tokyo unglaublich schwer in Worte zu fassen ist. Es gibt alles und nichts, legales und absolut illegales, Sauberkeit und Dreck, Ordnung und Chaos sowie alles kleine und alles große. Ich weiß nicht genau wo Shinjuku dort reinpasst, aber ich hab dort die wohl längste Rolltreppe ever gesehen und die wohl dichteste Ansammlung von Kinos auf der ganzen Welt.
Leider hat es mich dann am Abend erwischt. Offenbar war ich zu lange in der prallen Sonne und so musste ich mich am Abend früh zu Bett begeben. Kurz vorher konnte ich noch meine letzten Geldprobleme entgültig lösen und dann war heute.
Heute bin ich früh aus dem Bett und gleich zum Bahnhof Tokyo. Ich find ja Subway fahren in Tokyo inzwischen richtig klasse, aber das kann man nur verstehen, wenn man es selber einmal getan hat.
Mit dem Shinkansen bin ich innerhalb von 2 Stunden in Nagoya gewesen. Auch Shinkansen fahren macht Spaß, denn Shinkansen sind ordentlich, sauber, bequem, bieten viel Beinfreiheit und sie sind obendrein noch wahnsinnig schnell. 280 km/h! Und man merkt nichts davon.
Von Nagoya aus, Aufenthalt war zu kurz um mir die viertgrößte Stadt Japans anzuschauen, gings mit nem Ltd. Express nach Takayama. Mitten durch die japanischen Alpen. Eine wunderschöne Strecke, die ich in vielen Bildern festhalten konnte. In Takayama angekommen bin ich gleich zum Tempel, der nur 5 Minuten vom Bahnhof entfernt liegt. Glücklicherweise habe ich noch einen Raum bekommen und der ist echt ein Traum. Tatami Matten, Futon Bett, keine Schuhe anhaben dürfen. Ich schwebe vor Glück. Da es noch etwas früh war, um schon gleich mit dem "Auf-dem-genialen-Futonbett-schlafen" zu beginnen, hab ich noch einen kurzen Streifzug durch die Stadt unternommen. Mir wieder ein paar lustige Leckereien in dem letzten noch offenen Supermarkt gekauft und bin dann an einer sehr wunderschönen Szene vorbeigekommen, die ich zunächst nur kurz fotografieren wollte. Ein Fluß, darüber eine leuchtend rote Holzbrücke. An der linken Uferseite tief hängende kräftig blühende Kirschbäume und auf der rechten Seite alte japanische Holzhäuser. Ich hab mich dann direkt ans Ufer gesetzt und Langzeitbelichtungen für ca. ne Stunde gemacht, dabei Enten gefüttert und einfach meinen Urlaub genossen.
Als es dann zu dunkel wurde, bin ich zurück zum Tempel und habe meine Pläne für morgen gemacht. Dann noch ein paar Zimmernachbarn und Nachbarinnen kennengelernt und liege jetzt hier vermutlich noch als letzter wach und schreibe diesen Text zuende. Woher ich weiß, dass ich womöglich der letzte wache hier bin? Dieser Tempel hat zum Großteil Papierwände.
Ich bitte die Rechtschreibfehler zu entschuldigen, aber ich habe jetzt nicht mehr die Muße, den Text noch einmal zu überprüfen.
O Yasuminasai aus Takayama
Matze
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