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Donnerstag, 30. April 2009

Tag 22 (01.05.2009) - Nikko, Tokyo, Shibuya

Ich habs hinter mir. Möchte ich meinen. Doch ich will garnicht aufhören mit diesem Urlaub.

Den letzten Tag habe ich zu drei Viertel in Nikko und ein Achtel in Shibuya verbracht. Eine gegensetzlichere Mischung gibt es wohl kaum. Mehr als ein Achtel Shibuya war einfach nicht drin und die drei Viertel Nikko waren viel zu schnell vorüber.

Nach Nikko gings per Shinkansen vom Bahnhof Tokyo aus, unterbrochen von einem Umstieg in ein lokales Bähnle in Utsonomiya. Das ganze dauert entspannte 1 1/2 Stunden und für mich überraschender Weise vollkommen kostenlos. Ich hatte vermutet mein Railpass könnte mir auch hier nicht weiterhelfen, Irrtum.

In Nikko angekommen musste ich erst einmal Frühstücken und was zu trinken besorgen, da das Wetter wirklich strahlend schön war. Auf den ersten Blick ist Nikko erst einmal anderrs als viele andere Städte, da man am Bahnhof nicht gleich von Einkaufspassagen und Busbahnhöfen begrüßt wird. Eine angenehme Ausnahme, die sonst nur noch Yufui und Miyajima zu bieten hatten.

Nach dem Frühstück, mit frischem Brot und ein wenig Obst und etwas erfrischendes zu trinken, gings in die Stadt. Oder besser gesagt, ich musste durch die ganze Stadt, da die Tempelanlagen weit entfernt von allen Bahnhöfen Nikkos liegen. Vorbei an unzähligen kleinen Shoppinggelegenheiten und allerlei verschiedener Läden kam ich dann gegen 11 Uhr am Fuße des Nikko Nationalparks an.

Der Nationalpark ist um einiges größer, als die Strecke die ich dann letztendlich geschafft habe, aber ich hatte eh keine Wanderschuhe an und wollte mir auch nur die "paar", zum Weltkulturerbe gehörenden, Tempel und Schreine anschauen. Am Eingang musste ich leider erst einmal mein Objektiv wechseln, da das neue leider mehr für weite Entfernungen und Außenaufnahmen geeignet ist und ich keine Tempel und Brücken ganz in den Sucher bekam. Mit einem der letzten 1000 Yen Scheine kaufte ich mir Zutrittsrechte für fünf Schreine oder Tempel. 200 Yen pro Objekt, garnicht schlecht. Ehrlich gesagt hatte ich natürlich beim Bezahlen keine Ahnung, wofür ich die 1000 Yen ausgeben muss. War mir auch zuerst zu teuer, aber ich will ja auch mein Geld alle kriegen und habs ja im Urlaub, nicht wahr?!

Ich überlege gerade, wie ich die anschließenden Eindrücke beschreiben kann. Ich denke das ist schwer möglich, da mir einerseits ständig alle Namen der Tempel und Schreine entgleiten und ich diesmal wirklich einfach viel zu viel zu beschreiben hätte. Die vielen verschiedenen Tempel waren unglaublich beeindruckend schön gestaltet. Hier irgendwo anzufangen ist einfach nicht möglich. Der Detailreichtum war so groß, dass ich teilweise Minutenlang eine einzige Steinlaterne anschauen musste, eh ich alle Formen und Farben richtig verarbeitet hatte.

Vielleicht eines der bekanntesten Bilder, das ich zumindest bis dato nicht Nikko oder einem seiner Tempel zugeschrieben hatte, ist das mit dem drei Affen und ihren drei Verhaltensweisen (blöd aber mir fällt momentan kein anderer Ausdruck dafür ein). "Hear no evil", "say no evil" und "see no evil". Davon allerdings gibt es in Nikko eine Menge mehr, denn dies sind nur drei der buddhistischen Lehren. Von den anderen habe ich Fotos gemacht. Die Beschreibung ebenfalls, denn das hätte ich mir nicht merken können, zumal die Bilder selbst nicht eindeutig zu interpretieren sind.

Vielleicht ein Tipp für all diejenigen, die selber einmal vorhaben Tempel oder Schreine zu besuchen und durchaus auch gewillt sind extra Eintritt für fast jeden Tempel zu bezahlen. Schuhe anziehen, die man schnell aus- und wieder anziehen kann. Ich hab jedes Mal drei Minuten mit Schuhe aus- und anziehen verbracht. Dafür sind die Böden sehr sauber und federn auf eine gewisse Art und Weise sehr angenehm die eigenen Schritte ab. Wie in einer Turnhalle beim Bodenturnen. Ich spare mir immer das Geld im Tempel und unmittelbar vorm Schrein. Dafür mache ich dann auch keine Fotos und schaue nur andächtig drein ... äh zu.

Die ganze Route dauert dann, wenn man sich nicht immer allzuviel Zeit nimmt, so wie ich, ca. 3 Stunden. Anschließend war ich vom vielen Treppen auf- und ablaufen ein wenig schwerfällig (total platt) und hab mich dann mit meiner Kamera einfach auf eine Bank gesetzt und habe Menschen fotografiert. Also mein neues Objektiv ausprobiert. Das war sehr sehr spannend. Leider ist aller Anfang schwer. Mal sehen ob die Fotos etwas geworden sind.

Dann gegen vier uhr gings langsam zurück zum Bahnhof. Dort hab ich dann gleich einen Zug bekommen und bin dann wie hin auch wieder zurückgefahren. gegen 18 Uhr war ich dann wieder in Tokyo und bin gleich durch nach Shibuya. Ich wollte mir eigentlich nur die große (weltbekannte) Kreuzung anschauen, auf der gefühlt tausende von Menschen kreuz und quer laufen, und zudem ein paar Fotos von einer Statue eines Hundes machen, der auch Jahre nach dem Tod seines Herrchens, eines bekannten Professors, noch regelmäßig zum Bahnhof kam um auf eben jenen Professor zu warten.

Der erste Eindruck war einfach atembraubend. War Nikko vor allem ruhig und naturbedingt schön, so gab es im Umkreis von 500 Metern um den Bahnhof herum scheinbar nur Menschen. Nichts anderes als Menschen. Auf die Kreuzung zu schauen ist dabei wirklich ein wahres Spektakel. Man weiß zunächst garnicht wo soviele Menschen bei jeder Ampelphase herkommen können bis man ein paar Schritte abseits JEDER Kreuzung auf unzählige Einkaufspassagen stößt. Hier gibt es wirklich alles was man sich zum Intensivshoppen wünschen kann. Ich wollte garnicht shoppen und so war ich dem Treiben schnell müde und wollte eigentlich nur noch raus.

Ich wusste in diesen Momenten, dass ich eine Seite Tokyos und wahrscheinlich Japans noch nicht kennengerlertn hatte. Die ganz und gar verrückte nämlich. in Shibuya liefen alle Typen von Menschen rum die man sich vorstellen mag. Tage zuvor in Hiroshima war mir nach einem Baseballspiel noch aufgefallen, dass man nirgends blode Menschen antraf. 5 Minuten in Shibuya konnten dies für die ganzen letzten drei Wochen wieder relativieren. Witzig ist auch, wenn man sonst sehr zurückhaltende Japaner stockbesoffen durch die Menschmassen torkeln sieht, fröhlich ein Lied pfeifend. Vielleicht war es der krasse Gegensatz zu Nikko, aber ich konnte trotz der vielen "Sehenswürdigkeiten" keinen rechten Spaß daran finden und bin dann schnell wieder in die Metro verschwunden. Meine letzte Metrofahrt fiel mir ein, als sich die Türen schlossen.

Und da war es, das Gefühl, dass dieser Urlaub und diese Reise schon wieder zuende ist. Mir fiel in der darauffolgende fahrt bis zum Hostel noch einiges mehr auf, dass ich gerade zum letzten Mal tat. Eine recht traurig schöne Fahrt. Ich weiß ich werde Tokyo und vor Allem Japan vermissen.

Ich will wiederkommen und alles nochmal erleben, aber bis dahin behalte ich ganz besonders die Menschen hier in besonderer Erinnerung. Denn spätestens dann, wenn ich mich an der Kasse und beim Busfahrer nicht mehr verbeugend bedankend verabschiede, werden die Erinnerungen meine einzige Verbindung zu diesem großartigem Gefühl des "wohl-behütet-seins" bleiben, dass ich während des gesamten Abenteuers hatte.

Ich fliege morgen zurück und werde auch nicht mehr viel darüber berichten, wenn alles glatt läuft. Ich bedanke mich fürs Lesen und hoffe auch zumindest einen winzig kleinen Einblick in dieses weit entfernte Land gegeben zu haben.

Vielleicht findet die nächste Reise auch einen Weg in diesen Blog. Wohin es geht? Wenn man mich jetzt fragen würde, natürlich Japan.